Cuil.com – ein Konkurrent für Google?
Montag, 28. Juli 2008Heute startete offiziell die neue Suchmaschine Cuil (ausgesprochen: “Cool”), ein Projekt von Tom Costello (ehemals IBM), AltaVista Gründer Louis Monier und den beiden Ex-Googlern Anna Patterson und Russell Power, die zuvor für den Index von Google verantwortlich waren. Gerade in diesem Punkt will Cuil den derzeitigen Platzhirsch Google übertrumpfen. Auf der Infoseite beschreibt sich Cuil sehr selbstbewusst als “the world’s biggest search engine”. Weiter wird behauptet, dass von Cuil 3mal mehr Seiten durchsucht werden, als von Google. “Ich denke, wir sind besser als Google”, zitiert die “New York Times” Cuil-Mitgründer Tom Costello. Cuil reiht sich damit in die lange Liste von Suchmaschinen ein, welche Google Marktanteile abnehmen wollten. Beispiele für solche SEs wären z.B. Exalead oder auch Search Wikia. Stellt sich die Frage, ob Cuil genug bietet um nicht wie die vorher genannten Suchmaschinen mehr oder weniger zu scheitern, sondern um eine Alternative zu Google zu werden.
Die Neuerungen
In der Tat bietet Cuil einige gute, wenn auch gewöhnungsbedürftige, Neuerungen. So lobt Fridaynite z.B. die tolle Ergebnisseite. Wie bei Google besteht jedes Ergebnis aus dem Inhalt des Titletags der jeweiligen Seite, einer Description sowie der Ziel URL. Das besondere ist, dass neben jedem Ergebnis noch ein Bild angezeigt wird, was offensichtlich der jeweiligen Seite entnommen wird. Weiterhin fällt auf, dass die Beschreibung der Seite sehr viel länger als bei Google ist und offensichtlich nicht immer aus dem Description Tag entnommen wird, auch wenn einer vorhanden ist (siehe SERPS zu New York -> Platz1 nytimes.com). Cuil listet die Ergebnisse auch nicht wie andere Suchmaschinen untereinander auf, sondern bedient sich einer Darstellung in 3, wahlweise 2 Spalten. Eine weitere tolle Neuerung sind die Vorschläge am oberen Rand z.B. “New York Hotels” und die Einteilung der SERPs in Kategorien. Gerade bei den Ergebnissen zu “SEO” gefallen mir diese Kategorien. Ein weiterer Punkt, der besonders Datenschützer freuen wird, ist, dass keine personenbezogenen Daten der User und der Suchanfragen gespeichert werden.
Der Index
Das alles ist gut gelöst und hebt Cuil von den anderen Suchmaschinen ab. Doch viel wichtiger für den Erfolg einer Suchmaschine ist der Index und die Relevanz der Ergebnisse. Zu diesem Thema hat Danny Sullivan einen sehr guten Artikel geschrieben und analysiert die Ergebnisse bei Suchanfragen die mehrere Bedeutungen haben (z.B. “Cars”: es kann sowohl der Film gemeint sein, als auch Autos). Wenn man jetzt den Index testet, sollte man darauf achten, dass Cuil sich zunächst auf englische Anfragen konzentriert. Der deutsche Index wird wie bei Google erst später folgen. Was mir noch aufgefallen ist, ist, dass Cuil zwar anzeigt tausende Ergebnisse gefunden zu haben, aber wenn man sich dann die weiteren Ergebnisseiten anschaut, kommt ab Seite 4 Ein Hinweis das keine weiteren Ergebnisse gefunden wurden. Wenn Cuil wieder online ist, liefer ich dazu einen Screeenshot nach.
Das Fazit
Cuil hat meiner Meinung nach gute Arbeit geleistet und eine Chance sich gut am Suchmaschinenmarkt zu platzieren. Dazu muss jedoch zunächst die Bekanntheit drastisch gesteigert werden (dürfte wohl das größte Problem sein) und natürlich viel Feintuning bzgl. des Rankings betrieben werden. Laut Aussage von cuil, wird beim Ranking weniger auf Links als auf den Content geachtet. Dies wird aber wiederum von Danny Sullivan in einem weiteren interessanten Beitrag zu Recht bezweifelt.
Weiterführendes
Weitere Berichte finden sich bei Robert Basic, Heise und Search Engine Journal
P.S. Momentan ist cuil.com nicht erreichbar. Die Kapazitäten werden gerade erweitert.
